Worte für den Tag – Dienstag 13. März

 

Es ist früh am Morgen. Von meinem elterlichen Wohnsitz in Brandenburg an der Havel mache ich mich auf den Weg nach Berlin Gropiusstadt, um in der St. Dominicuskirche den Morgengottesdienst zu feiern. Kurz vor dem Autobahndreieck Potsdam: Stau. Erst Stopp and Go, dann Stilstand. Stopp an Go und wieder Stillstand. Das Tageslicht beginnt zu dämmern. Die Zeit läuft unbarmherzig. Ich merke meine Unruhe und sage mir:“ Warum bist du so unruhig? Es hilft nichts. Du kommst nicht schneller voran als all die anderen auf der Straße.“ Dicht fahre ich auf der linken Seite an der Leitplanke und spüre den Gegenverkehr, der auf den anderen Spuren in den Morgen donnert. Mich trennen nur die beiden Leitplanken und die dazwischen lebenden Sträucher von den Gegenfahrbahnen.
Sehr langsam geht es weiter. Die Sträucher sind winterlich kahl und quetschen sich zwischen den Planken.
„Was ist das für ein Leben inmitten des hochmodernen Verkehrs“, denke ich. Die Büsche stehen eingesperrt zwischen den Leitplanken. Der Verkehr donnert vorbei. Die Abgaswolke ist nicht zu sehen aber da. Meine Augen betrachten die Büsche. Die Büsche werden Zweige. Die Zweige sind ganz vielfältig, individuell. Gedemütigte Schöpfung! Mir tun die Pflanzen leid. Sie sollen die Autobahnen verschönen und begrünen und das Fahren angenehm machen. Die Situation ist grotesk. Ich bin selber ein gezwängt zwischen den LKW und Autos mitten im Stau, im Lärm und Abgas und sehe die Sträucher mitten auf Autobahn. Mir sind sie noch nie so aufgefallen. Jetzt aber sprechen sie und helfen mir mich zu korrigieren.
Sei geduldig. Du wirst deine Aufmerksamkeit bekommen und du wirst wahrgenommen.
Dankbar bin ich für diesen Moment der Begegnung mit der Schöpfung. Tröstlich und ermutigend möchte ich heute zu den Menschen und zu allem Lebendigem sein.
Der jüdische Psalmist betet seit alters her im 42. Psalm:
Warum bist du so bedrückt, meine Seele? Warum stöhnst du so verzweifelt? Warte nur zuversichtlich auf Gott! Denn ganz gewiss werde ich ihm noch dafür danken, dass er mir sein Angesicht wieder zuwendet und mir hilft.

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